Grüne Visitenkarte Bremer Straße: Gutachten klar – Förderfrage offen

Ostercappeln. In der Debatte um die 73 Bäume an der Bremer Straße lohnt sich ein nüchterner Blick auf die Fakten. Denn zwischen einer politischen Stellungnahme und dem vorliegenden Fachgutachten bestehen deutliche Unterschiede.

Keine Fällung empfohlen

Im offiziellen Gutachten von Johannes Fünfzig heißt es unmissverständlich:

„Eine Fällung wird bei keinem der Bäume empfohlen.“

29 Bäume wurden aufgrund von Totholzbildung als derzeit nicht verkehrssicher eingestuft. Gleichzeitig stellt das Gutachten klar, dass die Verkehrssicherheit durch gezielte Pflegemaßnahmen wiederhergestellt werden kann. Selbst stärker geschädigte Exemplare können durch fachgerechte Eingriffe erhalten bleiben.

Von einer generellen „fehlenden Entwicklungsperspektive“, wie sie politisch formuliert wurde, ist dort nicht die Rede.

Pflege und Standortbedingungen

Das Gutachten benennt zudem verdichtete Böden, versiegelte Wurzelräume und zu kleine Baumscheiben. Einzelne Schäden werden ausdrücklich auf Defizite in der Jungbaum- und Entwicklungspflege zurückgeführt.

Mit anderen Worten: Die Bäume sind vielerorts unter schwierigen Bedingungen gewachsen – und dennoch orts- und landschaftsbildprägend.

Fördermittel – ein unsicherer Faktor

In der öffentlichen Diskussion wird wiederholt auf Fördermittel in erheblicher Höhe verwiesen. Dabei entsteht der Eindruck, diese Mittel stünden verbindlich bereit und seien nur bei Umsetzung der aktuellen Planung gesichert.

Förderprogramme unterliegen jedoch haushaltsrechtlichen Rahmenbedingungen und Prioritätensetzungen auf Landesebene. Mittel sind grundsätzlich abhängig von Haushaltsentscheidungen, Zeitfenstern und politischen Schwerpunktsetzungen.

Ob und in welcher Höhe Fördergelder im Jahr 2026 tatsächlich fließen, ist – wie bei öffentlichen Programmen üblich – keine Selbstverständlichkeit.

Die Entscheidung über den Erhalt oder die Fällung ortsbildprägender Bäume sollte daher nicht allein auf eine Förderperspektive gestützt werden, deren Realisierung von mehreren äußeren Faktoren abhängt.

Entscheidung mit Weitblick

Der Bürgerentscheid stellt eine grundsätzliche Frage:
Wie wollen wir Infrastruktur entwickeln? Rein technisch rückwärts gewannt – oder integriert in das gewachsene Ortsbild?

Der Förster und Autor Peter Wohlleben weist in vergleichbaren Diskussionen darauf hin, dass nicht Bäume das Problem seien, sondern häufig die planerischen Rahmenbedingungen. Ob das in Ostercappeln gehört wird ?

Das Gutachten liefert keine Grundlage für einen pauschalen Kahlschlag.
Es liefert Anlass, Planung und Pflege neu zu denken.

Am 15. März entscheiden die Bürgerinnen und Bürger, welchen Weg Ostercappeln einschlagen soll.